TSV Bindlach-Aktionär - Spielberichte

1. Bundesliga 2006-2007


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Nachbetrachtung  Bann-Bindlach

von Klaus Bischoff

Am Samstag haben wir gegen den amtierenden deutschen Meister Baden-Baden knapp aber verdient verloren. Arkadij Naiditsch war in seiner Partie gegen Alexej Shirov ständig unter Druck und musste nach einem Figurenverlust aufgeben. Leider hatten wir an keinem der anderen Bretter handfeste Gewinnchancen. Nur in der Partie Navara-Bacrot sah es für einen Moment so aus, als ob in der Zeitnotphase etwas für uns gehen könnte. Aber Etienne Bacrot hat dann trotz heftiger Zeitnot ein Dauerschach gefunden und damit unsere Hoffnungen zunichte  gemacht. Jan Markos hatte gegen Fabian Döttling einen Bauern weniger und war wohl  trotz der verschiedenfarbigen Läufer verloren. Er hat sich dann glücklich ins Remis gerettet, aber damit kamen wir nur auf 3,5 Punkte. Aber es ist nie eine Schande gegen den Champion zu verlieren!

Am Sonntag ging es dann gegen den SC Bann. Natürlich wollten wir endlich mal wieder  2 Mannschaftspunkte einfahren, aber es sollte schwer werden.

Brett 1: Naiditsch - Laznicka : Remis
In einem scharfen Sizilianer mit heterogenen Rochaden, war Arkadijs Figurenopfer nur für ein Dauerschach gut. Ich hatte den Eindruck, dass mehr für ihn drin war, aber es  war bestimmt nicht einfach. Es war auf jeden Fall eine tolle Partie, die man noch lange analysieren wird.

Brett 2: Stocek-Navara : Remis
Eigentlich ist David mit einer soliden Stellung aus der Eröffnung herausgekommen. Aber er hat dann einen Bauern verloren und musste schwer ums Remis kämpfen. Im Turmendspiel hat er sich dann ganz hervorragend verteidigt und gerade noch Remis gemacht.

Brett 3 : Baklan-Cvek : 1:0
Robert Cvek spielte Französisch mit 3.Le7, eine kämpferische Variante, die von Morosewitsch populär gemacht worden ist. Nach der Eröffnung hatte Schwarz das Läuferpaar und eine solide Stellung. Vladimir hat dann mit g4 und f5 einen Blitzangriff gestartet und seinen Gegner einfach überrannt. Das bedeutete die schnelle Führung für uns. Bravo!

Brett 4 : Slobodjan-Baramidze : Remis
David spielte wie immer Grünfeld. Nach der Eröffnung hatte er keine Probleme. Ich glaubte schon an einen kleinen Vorteil für Schwarz, aber der ehemalige Jugendweltmeister Roman Slobodjan hat dann die Stellung geschickt vereinfacht und Remis gehalten.

Brett 5 : Prusikin-Muraniy : 1:0
Endlich der erste Saisonsieg für Michael! In einem Bogoinder hatte Karl Muraniy von Anfang an Schwierigkeiten. Um die Entwicklung abschliessen zu können, musste Karl einen Bauern geben. Er hatte aber nie annähernd genug Kompensation, und den technischen Part bewältigte Michael souverän.

Brett 6 : Bunzmann-Bischoff : Remis
Dimitri Bunzmann ist der Topscorer der Banner. Ich habe gegen ihn auch einen Bogoinder versucht und nach der Eröffnung war ich nicht sehr  zufrieden. Mein schickes Springerfeld auf b6 war wesentlich weniger wert als sein grosser Raumvorteil. Stundenlanges zähes Nichtstun macht zwar keinen Spass, aber mehr war für Schwarz einfach nicht drin. Nach 5 Stunden hat er mich dann mit  einem Remisangebot begnadigt. Das habe ich gerne angenommen, und damit stand es 4 :2 für uns.

Brett 7 : Stohl-Dolezal : Remis
Das dritte Mal Bogoindisch  und auch hier hatte Schwarz nach der Eröffnung  keinen Ausgleich. Igor hatte einen bequemen Vorteil und konnte sich auf den rückständigen Bauern d6 draufsetzen. Aber dann ist etwas schiefgegangen und er musste wohl oder übel eine Qualität opfern. Laut Igor war die Stellung dann ausgeglichen. Der plötzliche Remisschluss in einer spannenden Stellung war überraschend und eigentlich auch zu früh.

Brett 8 : Nun-Markos : 0:1
Nach der Eröffnung (sizilianisch) hatte Weiss ein fettes Zentrum und Schwarz ein tüchtiges Läuferpaar. Ich hielt die Stellung für ungefähr ausgeglichen, aber dann ist es für Jan nicht so toll gelaufen. Sein Läuferpaar wurde nämlich halbiert und er verblieb mit einem schlechten Lg7 gegen einen guten Se4.  Aber Schwarz hatte noch Gegenchancen, weil die weisse Königsstellung nicht sehr sicher war. Nach der Zeitkontrolle ist Jiri Nun tapfer einer möglichen Zugwiederholung ausgewichen, um im Mannschaftsinteresse auf Gewinn zu spielen. Das ging dann gründlich schief und Jan hat ihn ausgekontert.

Endstand : 5,5:2,5 für Bindlach

Ein in dieser Höhe schmeichelhafter Sieg für uns! Dem klaren Ergebnis sieht man nicht an, dass die Banner in diesem Match sehr wohl ihre Chancen hatten.   

 

Nachbetrachtung Bindlach – Baden Baden

von Michael Bezold

Shirov – Naiditsch 1-0
Arkadij versuchte sich mit der Berliner Mauer in der Spanischen Eröffnung, mit der er in letzter Zeit gute Erfahrung gemacht hatte, gegen den Weltklassemann Alexej Shirov zu verteidigen. Dieser schien aber bestens präpariert und übte stets unangenehmen Druck. Schwarz hatte ständig mit der Entwicklung seines Königsflügels zu kämpfen. Das Bindlacher Spitzenbrett musste einen Bauern spucken, um die Stellung einigermaßen in den Griff zu bekommen. Aber eine tödliche Springerwanderung kostete eine Figur. Das Endspiel bot zwar noch einige technische Schwierigkeiten, aber mit all seiner Routine brachte der Spanier den entscheidenden Punkt nach Hause. Dies sollte auch gleichzeitig der einzige Sieg der Badener bleiben.

Navara – Bacrot. remis
Im Duell der beiden 2700er war es lange Zeit sehr ausgeglichen. Es kam die Spanische Partie aufs Brett, in der Weiß frühzeitig mit f4 ein Spiel am Königsflügel anstrebte. Der Franzose in Diensten Baden-Badens verteidigte sich behutsam und erlangte nach und nach Kontrolle über die schwarzen Felder im Zentrum. Diese Aktionen kosteten allerdings viel Zeit auf der Uhr und mit weniger als einer Minute rettete er sich schließlich in ein Dauerschach. Navara hatte vorher auf die Grundreihenschwäche gespielt  und starke Initiative entwickelt.

Nisipeanu -  Baklan remis
Mit einer Modevariante in der Damenindischen Verteidigung überraschte der Super – GM Nisipeanu den Bindlacher. Er opferte einen Bauern, um ein Druckspiel im Zentrum aufzuziehen. Zunächst trug Nisipeanu den Angriff sehr kräftig vor und erreichte wohl ein Fast- Gewinnstellung. In komplizierter Stellung verpasste er jedoch die beste Fortsetzung, die ihm entscheidenden Vorteil gebracht hätte. Wahrscheinlich war ihm das in der Folge klar geworden, denn er bot rasch remis. Baklan, der eine sehr gedrückte Stellung verteidigen musste, nahm das Friedensangebot an, obwohl er das Schlimmste wohl schon überlebt hatte.

Baramidze – Harikrishna remis
Eine recht unspektakuläre Partie. Schnell tauschten sich viele Figuren und es sah nach einem Remis aus. Der Inder wurde aber in dem ungleichfarbigen Läufer/Turmendspiel noch ehrgeizig und zwang Baramidze zu  einer genauen Verteidigung, was schließlich gelang.

Krasenkov – Prusikin remis
Hier musste Prusikin von Anfang an schwitzen, Er geriet schnell in eine schlechtere, passive Stellung, die er behutsam verteidigte. Krasenkov fand kein richtiges Rezept und vereinfachte die  Position immer mehr. Im Endspiel angelangt, änderte sich auf einmal die Stellungsbewertung. Nun war es Schwarz, der auf eine bessere Königsstellung und eine günstigere Bauernstellung verweisen konnte. Mit einem netten Trick rettete sich der polnische GM in ein Turmendspiel. Er opferte einen Läufer, damit sein Bauer freie Bahn zur achten Reihe erhält. Prusikin musste den Läufer sofort wieder hergeben und die Kontrahenten einigten sich sofort auf Unentschieden.

Bischoff – Dautov remis
Die beiden GM, die im Jahre 2000 beide im legendären Team standen, als Deutschland sensationell die Silbermedaille in Istanbul holte, tasteten sich vorsichtig ab. Bischoff verpasste Schwarz einen Doppelbauern und pochte auf seine bessere Bauernstruktur. Dautov dagegen konnte die Öffnung der g-Linie geschickt nutzen, um seine Türme aktiv zu platzieren. Weiß stand sehr passiv und musste einige genaue Züge machen, um die Stellung im Gleichgewicht zu halten. Aber dies erreichte Bischoff auf seine ihm eigentümliche Weise mit geschickten Damenmanövern auf der ersten Reihe.

Schlosser – Stohl remis
Recht ambitionslos wurde die Partie von Weiß angelegt. Dr. Stohl erlangte schnell eine bequeme Stellung, ohne jedoch tatsächlich auf Vorteil spielen zu können. In ausgeglichener Position einigte man sich friedlich.

Markos – Döttling remis
In einer langen Theorievariante im Damengambit  konnte sich Döttling schnell aller seiner Eröffnungssorgen entledigen und lehnte ein Remisangebot ab. Er verbesserte seine Stellung kontinuierlich. Markos sah sich gezwungen einen Bauern zu geben, um ein Damen/Läuferendspiel mit ungleichfarbigen Läufern zu erhalten. Döttling baute seinen Vorteil aus, verbrauchte aber sehr viel Zeit. Die fehlte ihm zum Schluss und er tauschte die Damen, um seine Mannschaftskollegen zu beruhigen. Mit weniger als einer Minute für den Rest der Partie willigte er schließlich ins Remis ein.

Insgesamt ein sehr sicherer Wettkampf für den Tabellenführer, auch wenn es letztlich sehr knapp wurde. Bindlach hatte eigentlich nie eine echte Chance auf einen vollen Punkt.

Vorbericht

Bundesliga-Neuling TSV Bindlach-Aktionär empfängt Deutschen Mannschaftsmeister!

Das kommende Wochenende hält für Schachbegeisterte aus der Region Bayreuth einen ganz besonderen Leckerbissen bereit.

Die Schachabteilung des TSV Bindlach-Aktionär erwartet den als klaren Meisterschaftsfavoriten geltenden OSC Baden-Baden zum Heimspiel im Transmar-Travel Hotel zu Bindlach. Dann werden dort zum ersten Mal in der über 50-jährigen Vereinsgeschichte des Schachkubs Top-Spieler der absoluten Weltspitze, wie Ex-Fideweltmeister Viswanathan Anand, Peter Svidler oder Alexei Shirov sich die Ehre geben.

Wie berichtet unterlagen die Bindlacher Aktiven zuletzt deutlich in Köln dem Tabellenzweiten SG Porz und verbuchten ein Unentschieden gegen den Aufsteiger SC Remagen. Vier Runden vor Saisonende rangieren die „Aktionäre“ mit einem Mannschaftsscore von 14:8 auf dem soliden fünften Tabellenplatz. Der Verbleib in der höchsten deutschen Liga bereitet indessen den Verantwortlichen um Abteilungsleiter Klaus Mühlnikel keine große Sorge mehr. Diese beachtenswerte Entwicklung im Bereich Bindlacher Schachsport ist untrennbar mit dem Engagement des Hauptsponsors Bernd Förtsch (Herausgeber des Börsenmagazins „Der Aktionär“) verbunden.

Wettkampfauftakt ist am Samstag /17. März im Spielsaal des Transmar-Hotels. Dort werden die Uhren vom Schiedsrichter um 14 Uhr in Gang gesetzt.

Während die Badenser -mit acht Internationalen Spitzen-Großmeistern klar favorisiert an die Bretter gehen werden, hoffen die Bindlacher diesen Härtetest so gut wie möglich zu überstehen. Immerhin mussten auch die „ELO-Riesen“ von Baden OSC gegen die SG Porz bereits in Runde 3 schmerzlich erfahren, dass kein Team unschlagbar ist! So wahren die Gastgeber mit viel Selbstvertrauen und Motivation, trotz nominell spielstärkemäßiger Unterlegenheit, dennoch eine gewisse Außenseiterchance.

In der bevorstehenden Doppelrunde wird Baden OSC bestimmt einiges aufbieten, um im Hinblick auf die anvisierte Titelverteidigung in der Meisterschaft vielleicht schon vorzeitig alles klar zu machen!

Am Spitzenbrett spekulieren deshalb die Einheimischen auf das interessante Duell zwischen dem Deutschen Einzelmeister Arkadij Naiditsch und dem indischen Großmeister Anand, der kürzlich das Welteliteturnier Morelia-Linares souverän als Sieger beendete. Als weiterer Stargast mit von der Partie ist voraussichtlich der erst 17-jährge „Wunderknabe“ GM Magnus Carlsen aus Norwegen, der beim selbigen Turnier überraschend den geteilten 2./3. Platz belegte.

Im Analyseraum kommentieren während des Mannschaftskampfes erfahrene Großmeister für Schachfans besonders interessante Spielverläufe und entscheidende Partiephasen an der Videoleinwand.

Am anschließenden Sonntagvormittag (ab 10 h) bekommen es die Gastgeber in Runde 13 mit der Vertretung des stark abstiegsgefährdeten Schachklubs Bann aus der Pfalz zu tun. Zeitgleich trifft  Baden-Baden auf die Schachfreunde Berlin.

Im Internet gibt es an beiden Spieltagen die Live-Übertragung der Partien auf der TSV -Homepage unter www.bindlach-aktionaer.de